elysia Rack -18dBFS is the new 0dBu

-18 dBFS ist das neue 0 dBu

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-18 dBFS ist das neue 0 dBu

Gain Staging und die Einbindung analoger Hardware in DAW Systeme


Einleitung

Die wunderbare Welt der Pegelverhältnisse ist ein Dauerthema in der Audiowelt. Fakt ist: Wer Live oder im Studio stets passende Pegel fährt, hat bereits einen gewaltigen Schritt zu einem guten Mix getan. Es gibt unterschiedliche Namen und Bezeichnungen für die Kunst, stets die richtigen Pegelverhältnisse zu finden. Ob man nun von Gain Staging, Auspegeln oder Gain-Struktur spricht, ist nicht weiter ausschlaggebend. In der Praxis haben aber selbst erfahrene Techniker oftmals nur eine ungefähre Vorstellung, was „die richtigen“ Pegel sind.

Wie der Versuch die Abseitsregel im Fußball zu erklären, so ist ein gelungener Pegelabgleich simpel und komplex zugleich. Vor allem wenn die digitale und die analoge Welt gleichberechtigt zusammenarbeiten sollen. Dieser Blog-Beitrag bietet konkrete Tipps für souveränes Headroom-Management und zu der Frage, wie man analoge Hardware sinnvoll in eine digitale Produktionsumgebung einbindet. Lasst uns starten!

Digital vs. Analog Hardware

Gut, dass man sich nicht für das Eine oder Andere entscheiden muss. In der modernen Musikproduktion brauchen wir beide Welten und mit etwas Know-how funktioniert das Ganze erstaunlich gut. Fakt ist allerdings: Einerseits werden digitale Live-Konsolen und Recording Systeme immer kompakter in Bezug auf ihren Formfaktor, auf der anderen Seite steigt gleichzeitig die Anzahl an Ein- und Ausgängen und die maximale Spurenzahl. Die massive Zahl an Input-Signalen und Tracks verlangen umso mehr, stets passende Pegelverhältnisse zu finden. Fangen wir an der Quelle an und stellen uns die einfache Frage: „Warum brauche ich eigentlich einen Mikrofonvorverstärker?“. Die Antwort ist so simpel wie einleuchtend.

Wir benötigen einen MicPre Amp, um ein Mikrofonsignal in ein Line-Signal zu verwandeln. Ein Mixer, ein Audiointerface oder eine DAW arbeitet immer mit Line-Pegel und nicht mit Mikrofonpegel. Das gilt für alle Audio-Schnittstellen, wie Insert-Punkte oder Audioausgänge. Wie weit müssen wir den Mikrofonvorverstärker eigentlich aufdrehen, und gibt es den einen „richtigen“ Aussteuerungspegel? Es gibt keine allgemeingültige Konstante mit Alleinvertretungsanspruch, aber eine durchaus sinnvolle Empfehlung, die sich in der Praxis bewährt hat. Es empfiehlt sich, alle Eingangssignale mit Hilfe der Mikrofonvorverstärker auf Line-Level auszupegeln. Line-Level ist der Sweetspot für Audiosysteme.

Aber was genau ist jetzt Line-Level und wo lässt er sich ablesen? Jetzt sind wir an einem Punkt, an dem es etwas komplizierter wird. Für die Definition des Line-Levels wird ein Bezugspegel herangezogen und dieser ist unterschiedlich, je nachdem welche Norm zu Grunde liegt. Der Bezugspegel bei professionellen Audiogeräten gemäß der deutschen Rundfunknorm ist +6 dBu (1,55 Veff, -9 dBFS). Er bezieht sich auf einen Pegel von 0 dBu bei 0,775 V (Effektivwert). In den USA wird dagegen mit dem analogen Bezugspegel von +4 dBu, entsprechend 1,228 V (Effektivwert) gearbeitet. Darüber hinaus relevant in der Audio Technik ist der Bezugspegel von 0 dBV, entsprechend genau 1 V (effektiv) und der Heimgerätepegel (USA) mit −10 dBV, entsprechend 0,3162 V (effektiv).

Alles klar? Wir konzentrieren uns in diesem Blog-Beitrag auf den Bezugspegel von +4 dBu. Einfach aus dem Grund, da die meisten professionellen Audiogeräte auf diesen Bezugspegel für Line-Level zurückgreifen.

dBu & dBV vs. dBFS

Was ist +4 dBu und was sagt das aus?

Pegelverhältnisse in Audiosystemen werden in dem logarithmischen Verhältnis Dezibel (dB) angegeben. Es ist wichtig zu verstehen, dass es einen Unterschied zwischen digitalen und analogen Mixern in Puncto „dB-Meteranzeigen“ gibt. Diese Erfahrung macht jeder, der zum ersten Mal von einem analogen zu einem digitalen Mixer gewechselt ist (oder andersrum). Offensichtlich passen die gewohnten Pegeleinstellung nicht mehr.

Warum ist das so? Die einfache Erklärung: Analoge Mischpulte nutzen fast immer 0 dBu (0.775V) als Bezugspunkt, die digitalen Verwandten dagegen den Standard, den die Europäische Rundfunkunion (EBU) für digitale Audio Pegel festgelegt hat. Laut EBU soll dem alten analogen „0 dBu“ nun -18 dBFS (Full Scale) entsprechen. Digitalpult Anwender und DAW User halten daher fest: -18 dBFS ist unser neues 0 dBu!

Das klingt simpel, aber ganz so einfach ist es leider nicht, denn dBu-Werte lassen sich nicht eindeutig in dBFS umrechnen. Es ist von Gerät zu Gerät unterschiedlich, welche analoge Spannung zu einem bestimmten digitalen Pegel führt. Viele professionelle Studiogeräte sind mit dem nominalen Output von +4 dBu konnotiert, während Consumer Geräte eher auf die dBV Anzeige (-10 dBV) zurückgreifen. Damit noch nicht genug Verwirrung. Auch in Puncto „Headroom“ gibt es massive Unterschiede. Bei analogen Gerätschaften ist noch reichlich Aussteuerungsreserve vorhanden, wenn eine VU Meter Anzeige im Bereich von 0 dB operiert. Oft stehen noch weitere 20 dB zur Verfügung, bis ein analoges Softclipping das Ende der Fahnenstange signalisiert. Die digitale Domäne zeigt sich in diesem Punkt deutlich kompromissloser. Pegel jenseits der 0 dBFS Marke erzeugen ein Hard Clipping, das zum einen unangenehm klingt und zum anderen eine fixe Obergrenze darstellt. Der Pegel wird schlichtweg nicht mehr lauter. 

Wir halten fest: Die analoge Welt arbeitet mit dBu & dBV Angaben, während dBFS die Pegelverhältnisse in der digitalen Domäne beschreibt. Dementsprechend sind auch die Meteranzeigen an einem analogen Mischpult unterschiedlich im Vergleich zu einem Digitalpult oder DAW. Analoge Meteranzeigen beziehen sich auf dBu. Zeigt die Meteranzeige 0 dB an, gleicht das +4dBu am Mixerausgang und wir freuen uns über einen satten Headroom.

Eine digitale Meteranzeige ist meist über den Bereich von -80 bis 0 dBFS skaliert, wobei 0 dBFS die Clipping Grenze darstellt. Um eine Vergleichbarkeit herzustellen rufen wir uns in Gedächtnis: 0 dBu (analog) = -18 dBFS (digital). Das gilt für viele digitale Geräte, wie beispielsweise digitale Mischpulte von Yamaha, aber nicht für alle. ProTools beispielsweise arbeitet mit dem Bezugspegel von 0 dBu = -20 dBFS. Diesen Unterschied finden wir im Vergleich zwischen Europäischen und US-Gerätschaften des Öfteren. Die gute Nachricht ist, dass wir mit diesem Unterschied in der Praxis sehr gut leben können. Es kommt bei der Suche nach der idealen Aussteuerung von Audiosignalen nicht auf zwei dB an.

Floating Point

Aber warum müssen wir uns überhaupt Gedanken um die Pegelverhältnisse in einer DAW machen? Fast alle modernen DAWs arbeiten mit einer Gleitkommaarithmetik (Floating Point), die dem User einen unendlichen Headroom und Dynamik (theoretisch 1500 dB) zur Verfügung stellt. Die interne Dynamik ist so groß, dass kein Clipping auftreten kann. Daher lautet eine gängige Weisheit zu diesem Thema: „Du kannst mit deinen Pegeln in einer floating point DAW machen was du willst, du darfst nur nicht den Summenausgang überfahren“. Theoretisch richtig, praktisch allerdings problematisch und dass aus gleich zwei Gründen. Zum einen gibt es Plugins (oftmals Emulationen klassischer Studio Hardware), die es gar nicht mögen, wenn man deren Input mit absurd hohen Pegeln beschickt. Das Signal wird dadurch hörbar degradiert. Sehr hohe Pegel haben noch eine zweite unerwünschte Nebenwirkung: Die Einbindung analoger Audio Hardware als Insert wird dadurch praktisch unmöglich.

Die meisten gängigen DAWs werkeln mit einer 32 Bit floating point Audio Engine. Clipping kann dabei nur auf dem Weg in die DAW (z.B. übersteuerter MicPre) oder auf dem Weg aus der DAW (übersteuerter Summen DA-Wandler) auftreten. Das passiert schneller als gedacht. Ein Beispiel: Wer mit kommerziellen Loops arbeitet kennt das Problem. Fertige Loops sind oftmals normalisiert und die lautesten Stellen erreichen schnell die 0 dBFS Marke auf einem Peak Meter. Spielen wir mehrere Loops gleichzeitig ab und zwei Loops erreichen an einer Stelle gleichzeitig 0 dBFS, haben wir bereits ein Clipping im Master Bus. Daher sind zu hohe Pegel in einer DAW unbedingt zu vermeiden. 

Rauschgenerator

Wir haben bis jetzt über Clipping und Headroom gesprochen, aber wie sieht die andere Seite der Medaille aus?

Wie handhaben analoge und digitale Audiosysteme sehr niedrige Pegel? In der analogen Welt ist die Sachlage eindeutig: Je niedriger unser Signalpegel ist, desto eher nähert sich unser Nutzsignal dem Grundrauschen (Noise Floor). Das heißt, unser „Signal to Noise“ Verhältnis ist nicht optimal. Leise Signale steigen in den Ring mit dem Grundrauschen, was nicht ohne Kollateralschäden für die Klangqualität abgeht. Daher müssen wir in einer analogen Umgebung stets Wert auf solide Pegel und auf hochwertiges Equipment mit einer möglichst guten internen „Signal to Noise“ Ratio legen. Nur so ist garantiert, dass bei kritischen Anwendungen (z.B. Klassikaufnahmen, oder Musik mit sehr großer Dynamik) eine möglichst rauschfreie Analogaufnahme erzielt wird.

Und digital?

Die gute Nachricht ist, in der digitalen Domäne gibt es kein Problem mit Grundrauschen. Es ist schlichtweg nicht vorhanden. Dafür gibt es andere Unwägbarkeiten mit schwächlichen Aufnahmepegeln in einer digitalen Umgebung, und diese hängen mit der Arbeitsweise von Digitalwandlern zusammen. Bei Vollaussteuerung (0 dBFS) wird jedes einzelne Bit eines 24 Bit AD Wandlers genutzt. Leise Signale werden dagegen mit einer geringeren Bittiefe gewandelt. Als Faustformel für einen 24 Bit Wandler gilt: 1 Bit = 6 dB. Sprich: 24 bit = 0 dBFS, -6 dBFS = 23 bit, -12 dBFS = 22 Bit. Das bedeutet bei Line Level (-18 dBFS) haben wir eine hohe Auflösung von 21 Bit zur Verfügung. Bei sehr niedrigen Pegeln (z.B. -60 dBFS = 8 bit) fehlt es dagegen an der Auflösung.

Fader-Position als Teil des Gain Staging

Ein weiteres gerne übersehenes Detail auf dem Weg zu einer soliden Gain-Struktur ist die Stellung der Fader. Dabei ist es zunächst einmal egal, ob wir mit einem analogen, digitalen Mixer oder einer DAW arbeiten. Fader haben eine Auflösung, und diese ist nicht linear. Die Auflösung um die 0 dB Marke ist deutlich höher als im unteren Teil der Fader-Bahn. Um möglichst feinfühlig mischen zu können, sollte sich die Fader-Stellung in der Nähe der 0 dB Marke befinden.

Legen wir in einer DAW ein neues Projekt an, dann befinden sich die Fader in dem DAW Projekt per Default in der 0 dB Position. So handhaben das die meisten DAWs. Jetzt können wir endlich die Mikrofonvorverstärker aufdrehen und den passenden Aufnahmepegel einstellen. Wir empfehlen in der digitalen Domäne alle Signale auf -18 dBFS RMS / -9 dBFS Peak einzupegeln. Also auf den am Anfang bereits beschworenen Line-Level, denn darauf sind Digitalmixer und DAWs ausgelegt. Da wir die Kanal-Fader in der Nähe der 0 dB Marke stehen haben, stellt sich jetzt die Frage: Wie senke ich Signale ab, die im Mix zu laut sind? 

Dafür gibt eine Reihe an Möglichkeiten und viele davon sind schlichtweg nicht zu empfehlen. Man könnte beispielsweise das Gain des Mikrofonvorverstärkers herunterregeln. Aber dann füttern wir die DAW nicht mehr mit Line-Level. Bei einem analogen Mischer führt das zu einer schlechten „Signal to Noise“ Ratio. Ein digitaler Mischer hat bei der gleichen Vorgehensweise das Problem, dass alle Sends (z.B. Monitormixe für die Musiker, Insert-Punkte) ebenfalls den Line-Level Sweet Spot verlassen. Ok, ziehen wir doch einfach den Kanal Fader runter! Dann verlassen wir aber den Bereich der besten Auflösung, wo wir die Pegel am feinfühligsten einstellen können.

Das mag im Studio „nur“ unkomfortabel sein, bei einer großen Live-Veranstaltung mit einer dementsprechenden PA wird das schnell zu einem echten Problem. Hier ist die Arbeit im Fader Sweet Spot essentiell. Die Möglichkeit den Lead Gesang gezielt zwei dB über den Fader lauter zu machen ist fast unmöglich, wenn wir mit einer Fader-Ausgangsstellung von beispielsweise -50 dB starten. Schieben wir den Fader nur wenige Millimeter hoch, sind wir schnell bei -40 dB, was einen enormen Lautstärkesprung darstellt.

Die Lösung des Problems: Wir nutzen vorzugsweise Audio Subgruppen für das grobe Lautstärke-Balancing. Sind diese nicht vorhanden greift man auf DCA bzw. VCA Gruppen zurück. Die Eingangssignale weist man den Subgruppen (bzw. DCAs oder VCAs) entsprechend zu. Beispielsweise eine Gruppe für Drums, eine für Becken, eine für Vocals und je eine für Gitarren, Keyboards und Bass. Mit Hilfe der Gruppen stellt man eine grobe Balance zwischen den Instrumenten und Vocal-Signalen ein und nutzt die Kanal-Fader für kleinteilige Lautstärke Korrekturen. 

Bonus-Tipp: Es macht Sinn Effekt-Returns, anstatt auf den Master vorzugsweise auf die dazugehörigen Gruppen zu routen. Den Drum Reverb in die Drum Gruppe, oder den Vocal Hall in die Gesangsgruppe. Muss man die Gruppenlautstärke korrigieren, dann wird der Effektanteil automatisch mitgezogen und das Verhältnis Signal/Effektanteil bleibt stets gleich.

Gain Staging in der DAW – die Suche nach dem Line-Level


Als ersten Schritt müssen wir mit einem Missverständnis aufräumen. „Gain“ und „Volume“ sind nicht Mitglieder der gleichen Familie. Das Einstellen des Gains nicht das Gleiche wie das Einstellen der Lautstärke. Einfach gesagt ist Volume die Lautstärke nach dem Processing, während das Gain die Lautstärke vor dem Processing darstellt. Oder noch einfacher: Gain ist Eingangspegel, Volume ist Ausgangspegel!

Der nächste wichtige Schritt für ein sauberes Gain Staging ist festzustellen, mit welcher Art Meteranzeige mein Digitalmixer oder DAW überhaupt arbeitet. Wo genau ist Line-Level auf meiner Meteranzeige? Viele Digitalpulte und DAWs verfügen über ein hybrides Metering. Wie das Metering in Studio One V5, das wir als Beispiel heranziehen. Die Skalierung dort geht von -72 dB bis +10 dB und im Summenausgang von -80 dB bis +6 dB. Das Studio One Metering liegt von seiner Skalierung zwischen einem analogen dBu Meter und einem digitalen Meter in dBFS. Das ist in vielen DAWs ähnlich. Dabei ist es wichtig zu wissen, ob die Meteranzeige einen RMS (Durchschnittspegel) oder Peak Meter (Spitzenwert) anzeigt.

Sehen wir ausschließlich ein Peak Metering und steuern auf Line Pegel (-18 dBFS) aus, dann ist der Pegel zu niedrig, besonders bei sehr dynamischen Programmmaterial mit schnellen Transienten wie einer Snare Drum. Je größerer die Dynamik eines Tracks, desto höher sind die Peak Werte und desto niedriger ist der Durchschnittswert. Daher können Schlagzeug Tracks schnell die Clip Anzeige eines Peak Meters zum Leuchten bringen, aber auf einem RMS Meter vergleichsweise wenig Ausschlag erzeugen. In Studio One bekommen wir allerdings alle Informationen, die wir brauchen. Das blaue Studio One Meter stellt ein Peak-Metering dar, während der weiße Strich in der Anzeige stets den RMS Durchschnittspegel anzeigt. Ebenfalls wichtig ist, wo das Metering (Tap-Point) abgegriffen wird. Zum Aussteuern sollte das Metering die pre-fader Pegelverhältnisse anzeigen, besonders dann, wenn bereits Plugins oder analoge Geräte in den Kanal insertiert sind. Diese können die Post-Fader Meter wesentlich beeinflussen.

Studio One Metering

Stichwort Plugins.

Auch digitale Emulationen wollen mit einem passenden Pegel angefahren werden. Am Markt befinden sich zum Teil noch fix-point Plugins und Emulationen alter Hardware Klassiker an, die keine hohen Eingangspegel mögen. Dabei ist es teilweise schwierig zu erkennen, welches Metering die Plugins selbst verwenden und wo sich dort der Line-Level befindet. Ein Screenshot verdeutlicht das Dilemma.

Der BSS DRP402 Kompressor verfügt eindeutig über ein dBFS Meter. Somit verfügt der BSS Kompressor auf seinem Metering bei -20 dBFS über Line-Level Referenz.

Der bx townhouse Kompressor im Screenshot wird mit dem gleichen Input-Signal wie der BSS DRP402 versorgt, zeigt aber ein völlig anderes Metering. Hier darf man davon ausgehen, da es sich um eine analoge Emulation handelt, dessen Meter-Anzeige eher an einem VU Meter angelehnt ist.

Feuerwehr Einsatz

Nicht selten hat man es im Studio mit Aufnahmen zu tun, die nur noch gemischt werden wollen. Erfahrene Tontechniker werden mir zustimmen. Viele Aufnahmen von weniger erfahrenen Musikern oder Nachwuchs Technikern sind schlichtweg zu hoch ausgesteuert. Was kann man nun tun, um die Pegel auf ein vernünftiges Maß zurückzunehmen? Digital ist das kein großes Problem, zumindest wenn die Tracks frei von digitalem Clipping sind. Macht man die Tracks leiser, ändert sich nicht der Klang und Probleme mit dem Grundrauschen brauchen wir auf der digitalen Ebene ebenfalls nicht zu befürchten. Man kann in jeder DAW die Wellenform (Amplitude) auf das gewünschte Maß verkleinern. In ProTools beispielsweise über die Clip Gain Funktion.

Alternativ bietet jede DAW ein Trim-Plugin, das man in den ersten Insert Slot platzieren kann, um dort den Pegel abzusenken. Gleiches Plugin lässt sich auch in Bussen oder im Master verwenden, falls sich die addierten Spuren als zu laut erweisen.

Die virtuellen Fader des DAW Mixer benutzten wir dagegen nicht für diese Aufgabe, denn diese sind post-Insert und verändern, wie wir bereits wissen, nur die Lautstärke aber nicht den Gain des Tracks.

Analog Geräte in Kombination mit einer DAW

Die Kombination von analogen Audiogeräten und einer DAW hat einen besonderen Charme. Der schnelle, haptische Zugriff und der eigenständige Sound analoger Prozessoren machen den Reiz eines hybriden Setups aus. Dabei lassen sich analoge Geräte als Frontend (Mikrofonvorverstärker) oder als Insert-Effekte (z.B. Dynamics) einsetzen. Wer einen externen Preamp an sein Audiointerface andocken möchte, der sollte einen Line-Eingang dafür verwenden, um den generischen Mic Preamp des Audio Interfaces zu umgehen.

Im Insert-Betrieb müssen wir bei rein analogen Geräten eine AD/DA Wandlung in Kauf nehmen, um in die DAW zu gelangen. Daher ist die Qualität der AD/DA Wandler von Bedeutung. Nutzt man das volle 24 Bit Spektrum durch eine Vollaussteuerung, entspricht das einer Dynamik von 144 dB. Das überfordert selbst einen High End Digitalwandler. Daher sollte man analoge Gerätschaften im Insert ebenfalls mit Line-Level anfahren, um den Digitalwandlern genügend Headroom zu lassen. Besonders dann, wenn man vorhat das Signal mit dem analogen Audiogerät kräftig zu boosten.

Dazu benötigt man schlichtweg Headroom. Wer dagegen nur subtraktive EQ -Einstellungen vornimmt, der kann auch mit höheren Send & Return Pegeln arbeiten. Nun brauchen wir nur noch die Pegelverhältnisse für den Insert- Betrieb anzupassen. Dabei bedürfen gleich mehrere Dinge unserer Aufmerksamkeit. 

Es kommt auf die gesamte Signalkette an

Die Pegelverhältnisse in einer DAW sind konstant und stets nachvollziehbar. Bei der Einbindung analoger Geräte müssen wir allerdings den gesamten Signalfluss betrachten und manchmal nachjustieren. Wir starten mit dem Send-Pegel aus der DAW heraus. Auch hier empfiehlt es sich, das Send-Signal mit Line-Level an einen Ausgang des Audiointerface zu senden.

Der nächste Schritt erfordert ein wenig Detektivarbeit. In den technischen Daten des Audiointerface schauen wir nach, über welchen Bezugspegel die Ausgänge verfügen und müssen diese in Einklang mit dem Eingang des analogen Gerätes bringen, das wir in die DAW einschleifen möchten. Sollte das Interface über symmetrische XLR-Ausgänge verfügen, docken wir diesen an einem symmetrischen XLR-Eingang des analogen Insert Gerätes an. Aber was macht man mit unsymmetrischen Gerätschaften, die einen Referenzpegel von -10 dBV aufweisen? Viele Audiointerfaces bieten eine Umschaltung für ihre Line Ein- und Ausgänge von +4 dBu auf -10 dBV, was man in diesem Fall nutzen sollte. In den technischen Daten des Audiointerfaces findest du heraus, welcher analoge Pegel bei 0 dBFS anliegt.  Dieser lässt sich zum Teil auch umschalten.

Bei einem RME Fireface 802 zum Beispiel sind diese zwischen +19 dBu, +13 dBu und +2 dBV umschaltbar. Wichtig ist zu wissen, dass viele elysia Produkte einen Maximalen Pegel von etwa +20 dBu verkraften. Dieser Pegel gilt für die gesamte Signalkette von Interface-Ausgang in das analoge Gerät und von dessen Ausgang zurück in das Interface. Im Idealfall gelangt ein Line-Level Send-Signal mit identischem Return-Pegel zurück in die DAW. Darüber hinaus steht das analoge Gerät selbst unter Observation. Stellt sicher, dass weder dessen Eingang noch dessen Ausgang verzerrt. Diese Verzerrungen werden ansonsten ungeschönt an die DAW weitergereicht.

elysia qube series

Es hängt auch ein wenig von der Art des Analoggerätes ab, wie sich dessen Insert-Pegel verhalten. Ein eingeschliffener EQ, der Frequenzen moderat abhebt oder absenkt ist unkritischer als ein Transient Shaper (elysia nvelope). Dieser kann je nach Einstellung Peaks erzeugen, die ein RMS-Metering kaum erfasst. Im ungünstigsten Fall erzeugt das Verzerrungen, die ohne Peak-Metering nur hör- aber nicht ablesbar sind.

Ein weiterer klassischer Bedienfehler ist ein zu hohes Make-Up-Gain bei Kompressoren. Im ungünstigsten Fall wird sowohl der Ausgang des Kompressors selbst und der Return-Eingang der Soundkarte überfahren. Der Pegelabgleich an allen vier Stellen (Input & Output Analoggerät + Input & Output des Interface) eines Inserts sollte unter genauer Beobachtung stehen. Aber wir stehen nicht allein da. Hilfe für den Insert-Betrieb leisten generische DAW Bordmittel, die wir uns zum Abschluss ansehen.

Nutze Insert-Plugins!

Bei der Einbindung analoger Hardware sollte man unbedingt Insert-Plugins verwenden, die fast jede DAW bereitstellt. Reaper featured das „ReaInsert“ Plugin, ProTools kommt mit „Insert“ und Studio One stellt das „Pipeline XT“ Plugin zur Verfügung.

Die Verkabelung für diesen Einsatz ist recht simpel. Wir verbinden einen Line Ausgang unseres Audio Interface mit dem Eingang unserer Hardware. Den Ausgang unserer Hardware verbinden wir mit einem freien Line Eingang unseres Interface. Besagter Ein- und Ausgang unseres Interface wählen wir als Quelle in unserem Insert-Plugin (siehe Pipeline XT Screenshot) und haben damit die Verbindung hergestellt.

Eine klassische „Send & Return“ Verbindung. Durch die AD/DA Wandlung entsteht je nach Buffersize Einstellung eine mehr oder weniger große Laufzeitenverzögerung, die problematisch sein kann. Vor allem dann, wenn wir Signale parallel nutzen. Was bedeutet das? Nehmen wir an, wir splitten unsere Snare Drum auf zwei Kanäle in der DAW. Der erste Kanal bleibt in der DAW und wird nur mit einem latenzfreien Gate Plugin behandelt, der zweite Kanal geht via Pipeline XT raus aus der DAW, in einen elysia mpressor und von dort zurück in die DAW. Durch die AD/DA Wandlung ist der zweite Snare Track im Vergleich zum ersten Track zeitverzögert. Damit beide Snare Spuren time aligned zusammenspielen, brauchen wir einen Latenzausgleich. Das könnte man von Hand durch das Verschieben des ersten Snare Tracks bewerkstelligen, oder man klickt für einen automatischen Latenzausgleich einfach auf den „Auto“ Button in Pipeline XT.

Das ist deutlich schneller und präziser. Der Vorteil: Die automatische Delay Kompensation sorgt dafür, dass unser Insert-Signal Phasen kohärent mit den anderen Tracks des Projekts arbeitet. Mit diesem Tool könnt Ihr auch sehr einfach die Pegelanpassung an die externe Hardware vornehmen. Wenn hier schon Verzerrungen auftreten, kann der Send Pegel reduziert werden und gleichzeitig der Return angehoben werden. 

Das ist zugleich der letzte Tipp in diesem Blog-Beitrag. Die Frage nach dem korrekten Aussteuerungspegel sollte damit geklärt sein, sowie alle relevanten Nebenkriegsschauplätze, die einen wesentlichen Einfluss auf die Gain-Struktur und eine hybride Arbeitsweise haben. Bei aller Theorie und Zahlenmystik – es kommt nicht auf einen dB genauen Abgleich an. Es reicht völlig aus, sich im Groben an die Empfehlungen zu halten. Das garantiert einen sinnvollen Pegel, der deine Mixarbeit deutlich vereinfacht und beschleunigt. Happy Mixing!

Ich freue mich über einen Kommentar, lasst uns über das Thema diskutieren oder teilt diesen Blog-Beitrag in euren Social Media Kanälen.

Euer, Ruben

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