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elysia xpressor

von Tim Schuldt
Keys (Deutschland) – January 2012

Express yourself – auch bei der Kompression. elysias neuer Kompressor hat einige spezielle Werkzeuge mit an Bord, die dafür tatsächlich hilfreich ein könnten.

Eine völlige Neuheit ist der xpressor technisch nicht, allerdings war er bisher lediglich Besitzern einer API Lunchbox oder anderer Rahmen im 500er Format vorbehalten. Nun bietet elysia auch eine 19“-Variante des analogen Stereo-Kompressors an, der in diskreter Class-A Schaltung aufgebaut ist und auf dem Prinzip des Transistorkompressors beruht. Funktion und Ausstattung beider Varianten sind weitestgehend identisch. Einige der speziellen Features wurden übrigens dem elysia Topmodell alpha mastering compressor entliehen.

Das äußere Erscheinungsbild ist im elysia-typischen blau-silbernen Design gehalten, die Frontplatte ist dabei sehr übersichtlich und aufgeräumt. Der Alukorpus macht einen sehr hochwertigen und robusten Eindruck. Im Vergleich zu anderen Geräten ist der xpressor bemerkenswert leicht, trotz der integrierten Stromversorgung.Die Schalter und Potis sind qualitativ hochwertig und gut zugänglich angebracht. 

Vor allem die gerasterten Potis haben eine gute Haptik, lassen sich leicht bedienen und präzise justieren. Die Statuslämpchen der Schalter oder die roten LED-Ketten des Gain-Reduction-Meters sind problemlos ablesbar und liefern eine gute Kontrolle – auch wenn das Gerät weit unten im Rack platziert werden sollte. Lediglich der auf der Frontseite fehlende Netzschalter ist ein kleines Manko. 

In der Praxis
Der xpressor klingt bereits beim ersten Hörtest sehr transparent und druckvoll. Problemlos lässt sich jede Art von Signalen dynamisch verdichten und mit der nötigen Portion Punch anreichern, ohne dabei in bestimmten Frequenzbereichen Einbußen hinnehmen zu müssen. Egal ob im Bass- oder Höhenbereich, das originale Klangbild wird auch während der Bearbeitung gut erhalten und bleibt auch im Stereo-Panorama konstant. 

In Verbindung mit der Auto Fast-Funktion, die es ermöglicht, die Attack-Zeiten zusätzlich zur gewählten Ansprechzeit automatisch genauer an das Programmmaterial anzupassen, lassen sich ebenfalls einfach und schnell sehr gute Ergebnisse erzielen. Dem Klangeindruck scheint dadurch das Signal vor allem bei den Transienten noch etwas 'strammer' und definierter als vorher zu sein; das ist natürlich auch immer ein wenig vom jeweiligen Audiomaterial abhängig. Gleichwohl ist diese Funktion eine willkommene Erweiterung der Kontrolloptionen und somit auch der klanglichen Eigenschaften des Gerätes. 

Der sogenannte Warm-Schalter zielt in eine ähnliche Richtung und stellt eine Variante des Regelverhaltens zur Verfügung, die durch ein geändertes Ansprechverhalten bei den Transienten und veränderte harmonische Verzerrungen ein etwas dichteres und auch wärmeres Klangbild erzeugt. Der untere Mitten- und Bassbereich scheint etwas betonter und insgesamt wird der Gesamtsound noch ein wenig kompakter, aber eben auch etwas gefärbter. Generell ist dies jedoch eine gute Alternative zum wirklich sehr transparenten Grundsound des xpressors.

Der Log Release-Schalter wählt zwischen den Kurven linear und logarithmisch. Bei der logarithmischen Kurve werden die Release-Zeiten schneller, sobald der Grad an Gain-Reduktion ansteigt. Kurze und laute Programmpeaks (zum Beispiel Drums) werden mit einem schnelleren Release zurückgeregelt, als dies bei anderem, im Pegel durchschnittlicherem Material der Fall ist. Im Test zeigte sich der Einfluss dieser Funktion auf den tatsächlichen Klangeindruck zwar eher subtil, sie machte den Gesamtsound gerade bei Summensignalen aber in einigen Fällen noch ein wenig definierter.

Die eingebaute Gain Reduction Limiter-Funktion – die im Gegensatz zu anderen Kompressoren nicht den Audiopfad, sondern separat im Regelweg die Steuerspannung begrenzt – verhindert, dass die Kompression ab einem bestimmten Pegelschwellwert nicht mehr ansteigt und lautere Signale somit nicht überkomprimiert werden können. Sehr praktisch.

Das Sidechain-Filter des xpressors ist nicht, wie bei anderen Kompressoren oftmals üblich, fest auf eine bestimmte Frequenz eingestellt, sondern kann im Bereich von 31 Hz bis 1 kHz frei justiert werden. Das ist besonders nützlich, wenn das Programmmaterial unterhalb einer bestimmten Frequenz (zum Beispiel Bass) das Regelverhalten der Kompression zu negativ beeinflusst und leicht Pumpen und andere Artefakte entstehen können. Dieser problematische Frequenzbereich kann dann einfach von der Bearbeitung ausgeschlossen und die restlichen Frequenzen selektiver beeinflusst werden. Ungewollte Dynamiksprünge werden verringert oder sogar komplett vermieden.

Eines der Features, die mir am meisten gefallen haben, ist die Möglichkeit, das komprimierte und das Originalsignal über den Mixregler im Verhältnis miteinander zu mischen. Somit ist der xpressor auch in der Lage, parallele Kompression anzubieten, was die klanglichen Möglichkeiten nochmals immens erweitert und differenziert. Auch wenn man mal drastisch eingreift und stark komprimiert, beziehungsweise gewollt 'überkomprimiert', kann dieser Anteil dann soweit zurückgenommen werden, dass das unkomprimierte Originalsignal zwar wieder dominiert, aber durch die Mischung mit dem komprimierten Signal dennoch ein ganz neuer und wesentlich dichterer Klang entsteht. Dies ist sowohl bei Summen- als auch bei Einzelsignalen praktisch und liefert tolle Ergebnisse. Meiner Meinung nach ein Feature, das heutzutage in keinem modernen Kompressor mehr fehlen sollte.

Abschließend ist eigentlich nur noch die Möglichkeit zum externen Side-Chaining zu erwähnen, bei dem ein zugeführtes Steuersignal (zum Beispiel eine Bassdrum) das Regelverhalten des Kompressors beeinflusst. Dadurch lassen sich auch die heutzutage gern genutzten, rhythmischen Pumpeffekte realisieren oder andere Ducking-Anwendungen umsetzen. Das externe Side-Chaining ist übrigens ein Feature, welches nur in der 19“-Variante des xpressors zur Verfügung steht und beim xpressor 500 fehlt.

Fazit
Der xpressor kann auf ganzer Linie überzeugen. Er ist äußerst vielseitig einsetzbar und hat sehr hochwertige klangliche Eigenschaften. Egal, ob bei Einzel-, Gruppen- oder Summensignalen, die Resultate sind durchweg positiv und vielfältig. Insofern beherrscht der xpressor alle Disziplinen zwischen subtil und drastisch, wobei die gewisse eigenen Note nicht fehlt, aber die Transparenz im Vordergrund steht.

Die Ausstattung ist umfangreich und lässt keinerlei Wünsche offen. Externes Side-Chaining, Parallelkompression oder die Möglichkeit gezielter in Regelzeiten oder harmonische Verzerrungen einzugreifen, ergänzen die üblichen Kontrollmöglichkeiten eines Kompressors um sehr nützliche und praxisorientierte Features. 

Der Preis geht bei der gelieferten Qualität absolut in Ordnung und bewegt sich in einem sehr guten Preis/Leistungsverhältnis. Den Vergleich mit deutlich teureren Geräten braucht der xpressor dabei übrigens nicht zu scheuen.