Realisason 04/2008
Frank Ernould: „Hier haben wir also eine von den Maschinen, wo sich alles schon besser anfühlt, wenn man es unbearbeitet durch das Gerät laufen lässt! Es zeigt sich wieder einmal, dass das Analoge die einzige Technologie ist, die wirklich in der Lage ist, den letzen Tropfen Qualität aus einer hervorragenden Quelle herauszuholen.“
> Weiterlesen...
Monitor Magazin 06/2007
Jörgen Cremonese: „Über zwei Dinge staune ich wirklich: Was der alpha compressor mit dem Material macht, und wie leicht alles geht! [...] Alle diese unter-schiedlichen Funktionen in einem Gerät unterzubringen ist einfach genial; das Ganze dann noch so übersichtlich und einfach in der Handhabung zu gestalten grenzt an ein Wunder!“
> Weiterlesen...
Mix Magazine 04/2007
Michael Cooper: „Der Umfang an Kontrolle, die einem der alpha über die Dynamik und die generelle Balance eines Tracks gibt, ist absolut großartig, und die Audioqualität ist exzellent. Wenn Sie auf der Suche nach einem Mastering-Kompressor der Weltklasse sind und über das notwendige Kleingeld verfügen, ist der alpha der perfekte Kandidat.“
> Weiterlesen...
Resolution Magazine 03/2007
Nigel Jopson: „Mit dem Ziel, auch das letzte bisschen Qualität aus einem Song herauszuholen, ist die Rundreise ins Analoge und wieder zurück in diversen Mastering-Kreisen zum unumstößlichen Dogma geworden. […] Der alpha compressor der deutschen Firma elysia zielt genau auf diese Mastering-Ansprüche ab.“
> Weiterlesen...
Pro Audio Review 10/2006
John Gatski: „Pro Audio Review hat insgesamt 38 Produkte als Gewinner des PAR Excellence Awards 2006 bestimmt und während der AES in San Francisco ausgezeichnet. Die Nominierungen wurden von einem Gremium von Ingenieuren nach mindestens einem der folgenden Kriterien ausgewählt: Verbesserung der Audioqualität […]“
> PAR Excellence Award 2006
Mix Magazine 04/2006
George Petersen: „Hiermit bestätigen wir, dass die Redakteure von Mix folgendes Produkt in die Top 10 der Technologie-Highlights der Musikmesse 2006 gewählt haben: elysia alpha compressor. […] Eine solche Top 10 aus zehntausenden Produkten von mehr als 2.500 Herstellern zu erstellen ist alles andere als ein Picknick…“
> Mix Certified Hit 2006
von Fritz Fey
Studio Magazin (Deutschland) – Januar 2007
Mit den meisten Studiogeräten des Marktangebotes ließe sich nur in Ausnahmefällen ein Designpreis gewinnen. Das schlichte, manchmal nahezu ‚amateurhafte’ Erscheinungsbild soll beim Anwender möglicherweise den Eindruck erwecken, es handele sich um ein schlichtes Werkzeug zum Arbeiten, dessen Form ausschließlich der Funktion folgt. Dies entspricht nach meiner Erfahrung nicht unbedingt den Tatsachen, denn die Urheber der von uns meist geliebten Hilfsmittel sind in der Regel Ingenieure, die ein technisches Ziel vor Augen haben, so dass man als Anwender schon dankbar sein muss, wenn in die Gestaltung einer Bedienoberfläche überhaupt ergonomische Überlegungen eingeflossen sind. Die Ästhetik von Radioknöpfen aus den 60ern erschließt sich auch nicht unbedingt allen Geistern, aber immerhin lassen sie sich gut anfassen.
Nun, mit dem alpha compressor von elysia muss dieses Kapitel der Gerätehistorie neu geschrieben werden, denn ich habe selten ein solch ästhetisch schönes Gerät gesehen, dem man sein Leistungsvermögen geradezu ansehen kann. Aber diese Schönheit ist nicht nur dazu da, unseren Augen zu schmeicheln – Ergonomie, Übersichtlichkeit und ein gutes, präzises Regelgefühl gehen fließend ineinander über. Es sieht so aus, als habe da jemand etwas rundherum richtig machen wollen. Ein herausragendes Merkmal unserer Branche, auch wenn das nicht jeder wahrhaben möchte, sind die Menschen, die bis zur Selbstaufgabe ein Ziel verfolgen, die eine Idee im Kopf haben und sie mit großem Einsatz und Enthusiasmus in die Tat umsetzen. So hat es in grauer Vorzeit begonnen und so wiederholt sich die Geschichte bis zum heutigen Tage.
Für mich ist das einer der wesentlichen Gründe, massengefertigten Breitensportprodukten mit einer gewissen Skepsis – ja sogar Abneigung entgegenzutreten, denn sie verkörpern nur selten die Seele des Erfinders und seiner Kreativität. Im rauen Alltag der Fließband-Medienproduktion mögen diese Überlegungen keine besondere Rolle spielen, aber dort werden schließlich auch andere Ziele verfolgt. Die wahre Tonkunst lebt jedoch von herausragenden Ideen, auch wenn sie immer häufiger als Luxusartikel vor wirtschaftlichen Überlegungen zur Seite treten muss. Das soll uns aber in diesem Beitrag nicht stören, denn hier geht es ausnahmsweise um Qualitätsbewusstsein, Klanggestaltung im Dienste der Musik und die Freude an der Kunst, musikalischen Ausdruck technisch perfekt umzusetzen.
Eine unscheinbare Handskizze war die Geburtsstunde für einen Dynamikprozessor, der ganz anders sein sollte als das, was man landläufig einen Kompressor nennt, auch hinsichtlich seines äußeren Erscheinungsbildes. Die Initiatoren dieser Produktidee und des daraufhin gegründeten Unternehmens Elysia sind Ruben Tilgner und Dominik Klaßen. Ruben Tilgner ist unter anderem der Entwickler des genialen SPL Transient Designers, dessen Produktidee und einfache Bedienphilosophie schon viele Anwender weltweit in seinen Bann gezogen hat und eine heute nicht mehr wegzudenkende Form der Hüllkurvengestaltung eröffnet hat, die auf der Software-Ebene bereits von vielen Programmierern aufgegriffen wurde.
Ich darf einen Textabschnitt aus der elysia-Website zitieren: ‚Unternehmerische Unabhängigkeit versetzt uns in die Lage, unsere Arbeit in Extremen zu leben. Wir probieren gerne und geben uns erst dann zufrieden, wenn es einfach nicht mehr besser geht. Unkonventionelle Ideen werden nicht als Spinnerei verworfen, sondern ausgiebig getestet und erst dann bewertet. Immer steht dabei das Hören an erster Stelle. Damit aber auch das Auge zu seinem Recht kommt, kleiden wir unsere Audio-Maschinen in ein exklusives Design, das die inneren Werte bereits von außen erkennen lässt.’ (Zitat Ende). Hier ist dann aber auch Schluss mit dem ‚großen Kino’ und wir wollen uns den Fakten zuwenden.
Überblick
Der alpha compressor ist ein mit handverlesenen Bauteilen konstruierter analoger Stereo-Kompressor für höchste Ansprüche, der neben klassischen Funktionen durch einige Besonderheiten glänzen kann – etwa mit seiner integrierten M/S-Matrix, die die separate Bearbeitung von Mitten- und Seitensignal ermöglicht, einem schlichten Überblendregler für das direkte und komprimierte Signal, allgemein als Parallelbearbeitung bekannt, oder durch ein Niveaufilter, mit dem man unabhängig von der Dynamikstufe einfache, aber sehr interessante klangliche Eingriffe vornehmen kann. Dazu gesellen sich Funktionen wie etwa ein Side-Chain-Filter, das die Frequenzabhängigkeit der Regelstufe bestimmt oder eine automatische Steuerung der Integrationszeiten, die ausschließlich auf schnelle Transienten reagiert, sonst aber dem manuell eingestellten Wert folgt.
In beide Kanäle kann separat ein Transformator eingeschaltet werden, der ausschließlich der klanglichen Gestaltung dient – kein sehr deutlicher, sondern eher feinfühliger Eingriff für Mastering-Spezialisten. Die Umschaltungsmöglichkeit zwischen Feedback- und Feed Forward-Betrieb führt zu einem gänzlich anderen Regelcharakter des Gerätes, der die Wahl zwischen eleganten, auf Unhörbarkeit ausgerichteten und brutalen, sozusagen vorsätzlich groben Eingriffen in die Programmdynamik eröffnet. Am Schluss steht der Soft-Clip-Limiter, der die nachfolgende Signalkette weitestgehend vor Übersteuerungen schützt und sich annähernd wie die Sättigung einer Bandmaschine verhält, die bekanntlich mit ihrer Fähigkeit der Abrundung von Signalspitzen zu einem beliebten gestalterischen Werkzeug geworden ist, inzwischen durch zig Schaltungen auf der analogen und digitalen Ebene mehr oder weniger gut nachempfunden. Die Einstellung dieses Limiters erfordert eine gewisse Zurückhaltung, die sich absolut auf schnelle Signalspitzen beschränken sollte, da sonst deutlich hörbare, unerwünschte Klirrkomponenten die Folge sind.
Ein wenig Technik…
Es gehört zum guten Ton eines Testberichtes, auf die inneren Werte eines Gerätes einzugehen, auch wenn die meisten Leser mit erhöhter Lesegeschwindigkeit über derartige Passagen fliegen. Am Anfang war das Netzteil, könnte man konstatieren, denn eine ausreichende, saubere Stromversorgung ist das A und O für ein gut klingendes analoges Gerät mit hoher Übersteuerungsfestigkeit. Im alpha compressor werden alle aktiven Stufen üppig mit Strom versorgt, der besonders bei kurzfristigen Signalimpulsen gebraucht wird. Im Netzteil ist daher durch hochwertige Elkos genügend Speicherkapazität vorhanden. Zusätzlich findet man an vielen Stellen MKP-Kondensatoren, die ebenfalls eine großzügige Versorgung vorsehen. Die auf +/-30 Volt gehaltene Spannung wird mit diskreten Schaltungen reguliert, die deutlich unter dem Grundrauschen des Gerätes bleiben.
Mehr darüber können Sie bei Interesse auf der elysia-Website nachlesen (www.elysia.de), denn ich finde einen anderen Punkt viel bemerkenswerter: Neben anderen Leckerbissen wie einem reinen Class-A-Design oder diskret aufgebauten Verstärkerstufen fiel mir bei Durchsicht der Unterlagen das Kürzel PCA ins Auge, das für ‚Passive Current Attenuator’ steht. Das wichtigste Element in einem Kompressor ist zweifelsohne die Regelstufe, die wahlweise mit FETs, auf Licht reagierenden Widerständen (Opto-Kompressoren) oder VCAs aufgebaut sind. Frei nach dem Motto ‚Wenn man nicht alles selber macht’ hat der Hersteller eine eigene Komponente entwickelt, nämlich ein diskret aufgebautes Element (PCA), das das zugeführte Audiosignal in Strom umwandelt, den man anschließend spannungsgesteuert reduzieren kann. Dies erfolgt ähnlich wie bei einem VCA mit einer berechenbaren Kennlinie.
Der Kern dieses Elementes besteht aus 16 Transistoren, die über ein eigenes Heizsystem auf eine konstante Temperatur gebracht werden. Der PCA ist ein passiver Baustein ohne Verstärker, der ausschließlich Signalabschwächungen durchführt. Erst in einem nachgeschalteten Verstärker wird der Strom wieder in eine Spannung umgewandelt. Alle Regelvorgänge wurden bewusst für ein unauffälliges, behutsames Vorgehen optimiert. Will man ein wirklich einschneidendes Regelverhalten erzwingen, schaltet man auf Vorwärtsregelung um. Zu den Vorzügen des PCAs gehören seine große Bandbreite und extrem schnelle Integrationszeiten von wenigen Mikrosekunden. Der von elysia speziell abgestimmte PCA erzeugt jedoch auch ein gewisses Maß an Klirrkomponenten, die dem alpha compressor seinen besonderen Klangcharakter verleihen. Doch dazu später mehr.
Bedienung und Funktionen
Wenn man sich erst einmal von dem bewundernd staunenden Blick auf die Frontplatte erholt hat, erkennt man gleich als nächstes den übersichtlichen Aufbau der Bedienoberfläche. Alle Regler sind mit einem blau leuchtenden Kopf in Form einer Glaslinse ausgestattet, und auch die Knopfmarkierung leuchtet und wirft einen kleinen, aber gut erkennbaren ‚Schatten’ auf den Skalenring, so dass man die Reglerposition problemlos ablesen kann. Alle Tasten sind weiß mit einer LED beleuchtet, wenn die entsprechende Funktion aktiviert wird. Die einzige blau leuchtende Taste ist der Bypass- oder ‚Active’-Schalter. Um das designerische Element auf die Spitze zu treiben, sind auch die separat für Tasten und Regler auf der Rückseite vorhandenen Helligkeitsregler in der entsprechenden Farbe beleuchtet. Diese liebenswerte Spielerei darf gerne auf das Konto ‚Enthusiasmus’ oder ‚Liebhaberei’ gehen. Auch während des Bypass-Betriebes (Hardwire-Bypass) bleiben die Gain-Reduction-Meter aktiv, die halbkreisförmig als rote LED-Ketten links und rechts um das ebenfalls erleuchtete, zentral abgeordnete elysia-Logo gruppiert sind und oben von einer gelben LED für den Soft-Clip-Limiter angeführt werden.
Drei rastende Drehregler/Tasten-Reihen kennzeichnen drei Funktionsblöcke der beiden identisch ausgeführten Kanäle. Die obere Reihe beinhaltet die Parameter für die Kompressoreinstellung, die mittlere die Filter-Funktionen, die untere die Pegel-Ebene. In der Mitte unter dem Logo sind die Tasten für M/S-Betrieb, Bypass und Stereoverkopplung angeordnet. Der Kompressor verfügt zunächst einmal über klassische Parameter wie Arbeitspunkt, Ansprech- und Rückstellzeit, sowie das Kompressionsverhältnis (Ratio). Die Skala für die Ansprechzeit markiert Wert von 150 Millisekunden bis zu 10 Mikrosekunden, die Rückstellzeit ist in einem Bereich von 60 Millisekunden bis 1,8 Sekunden einstellbar. Die Ratio reicht von 1:1,1 bis 1:2,4, erhöht sich aber im Feed-Forward-Betrieb. Letzterer wird durch die entsprechend bezeichnete und der Kompressorsektion zugeordnete Taste aktiviert.
So weit im Westen nichts Neues, wenn da nicht noch zwei mit ‚Auto Fast’ beschriftete Tasten wären, die jeweils dem Regler für Ansprech- und Rückstellzeit beigestellt sind. Diese Funktion bewirkt ein automatisches Verkürzen der Zeitkonstante(n) bei schnellen Signalspitzen, das heißt, unabhängig von der eingestellten Zeit reagiert der Kompressor in diesem Fall schneller und fällt dann wieder auf die (langsamer) eingestellte Zeit zurück. Ein spezieller Fall der (halb)automatischen Zeitkonstantensteuerung, den wir in dieser Form bei anderen Geräten selten bis gar nicht gesehen haben, die ebenfalls eine automatische Adaption der Zeitkonstanten bieten. Die Filtersektion unterteilt sich in zwei Sektionen: Die des Niveaufilters, das hinter dem Kompressor angeordnet keinen Einfluss auf das Regelverhalten nimmt, sondern für eine breitbandige Veränderung des Programmklanges vorgesehen wurde und die des Side Chain-Filters, das die Regelstufe für bestimmte Frequenzbereiche via Hoch- und Tiefpass empfindlich oder unempfindlich macht.
Das Niveaufilter ist eine ganz traditionelle Schaltung aus den Gründertagen, die es ermöglicht, den Frequenzgang einer Waage gleich um eine einstellbare Mittenfrequenz zu kippen. Im Rechtsanschlag des Gain-Reglers wird bildlich gesprochen der Bereich rechts von der Mittenfrequenz (Mitten/Höhen) um 3 dB abgehoben (wie bei einem Neigungsfilter), gleichzeitig aber der Bereich links vom Knickpunkt um 5 dB abgesenkt. Bei Linksanschlag funktioniert das Ganze exakt anders herum. Die dazugehörige Mittenfrequenz kann dank einer Bereichsumschaltung zwischen 20 Hz und 2 kHz oder 2 kHz und 20 kHz eingestellt werden. Mit einem solchen Filter lassen sich Klangfarbentendenzen sehr unauffällig, aber wirkungsvoll beeinflussen, besonders bei aktivierter M/S-Matrix. Die untere Reglerreihe markiert die Pegelsektion des jeweiligen Kanals, und zwar mit einem Mischregler für das direkte und das komprimierte Signal (Parallelkompression mit einem Handgriff), den Regler für die Aufholverstärkung und den Arbeitspunkt für den Soft-Clip-Limiter.
Interessant sind hierbei die Tasten ‚Direct’ und ‚Compressed’. Ist nur eine der beiden Tasten aktiviert, hört man das jeweils betreffende Programm (Original oder bearbeitetes Signal), sind beide gedrückt, wird der Mix-Regler mit seiner Überblend-Funktion aktiv. Dies ermöglicht nicht nur das Abhören von Direkt- oder Kompressionssignal, sondern auch den Überblendstatus, ohne den Regler in seiner Position verändern zu müssen. Der Pegelsektion ist schließlich die Transformer-Taste zugeordnet, die dem Klang das typische ‚Eisen’ hinzufügt. Eine absolute Besonderheit ist die integrierte M/S-Matrix, die das Stereosignal in Mitten- und Seiteninformation auftrennt und am Ende wieder rückkodiert. Wer jemals einen Kompressor oder Equalizer M/S-kodiert verwendet hat, weiß, wie wertvoll diese Funktion bei der Bearbeitung von Stereosignalen ist. Da die Kanäle auch unverkoppelt betrieben werden können, bietet sich nun eine separate Bearbeitung beider Informationen an, zum Beispiel eine massivere Kompression der Mono-Information (M = L+R), ohne die Stereoinformation (S = L-R) anzufassen. Dazu mehr im Abschnitt ‚Praxis und Hören’.
Messtechnik
Während unserer messtechnischen Untersuchungen zeigte die im elysia-Kompressor eingesetzte Schaltungstechnik ein durchweg hohes Qualitätsniveau, das dem des äußeren Erscheinungsbildes durchaus ebenbürtig ist. Der maximale Eingangs- wie auch Ausgangspegel im normalen Stereobetrieb lag wie vom Hersteller angegeben bei rund +28 dBu, wobei eingangs- wie ausgangsseitig für diesen Wert ein Klirrfaktor von rund 0,5 Prozent erreicht wurde. Bemerkenswert ist dabei die Tatsache, dass der Klirr ausgehend von etwa 0,1 Prozent bei +23 dBu bis zum Maximalpegel kontinuierlich ansteigt, also nicht so abrupt wie bei den meisten Halbleiter-Schaltungen. Der Maximalpegel im M/S-Modus liegt mit +23 dBu schaltungsbedingt um 5 dB niedriger, aber auch damit wird man in der Praxis vermutlich ausgezeichnet zurecht kommen.
Das Diagramm 1 zeigt den äußerst geradlinigen Pegel- und Phasenfrequenzgang des Kompressors, der allerdings weit oberhalb des Hörbereichs einen etwas untypischen Verlauf mit einem deutlichen Pegelanstieg nimmt. Der Hersteller erklärt dieses Phänomen mit einer Eigenresonanz der Eingangstrafos, hat aber diesen Effekt zugunsten des Phasengangs und der Transientenabbildung bewusst in Kauf genommen. In der Praxis spielt dieses Phänomen keine Rolle. Das Ausgangsrauschen lag bei guten -86,1 dBu RMS effektiv unbewertet (22 Hz bis 22 kHz), woraus sich zusammen mit dem Maximalpegel ein Dynamikbereich von gut 114 dB errechnet. Bei Quasipeak-Messungmit CCIR-Filter rauschte der Alpha mit -75,4 dBu. Das Diagramm 2 zeigt das FFT-Spektrum am Ausgang mit einem mustergültigen Verlauf. Die Unsymmetriedämpfung der Eingänge (siehe Diagramm 3) erreichte bei 1 kHz rund -86 dBr; bei 15 kHz waren es noch -63 dBr.
Das Übersprechen zwischen beiden Kanälen konnte uns mit einem Wert -67 dBr (weitgehend unabhängig von der Messfrequenz) nicht ganz überzeugen. Dieser ist allerdings auf die Integration der M/S-Matrix zurückzuführen, die die Kanaltrennung bewusst ‚verschlechtert’. Ein Problem kann allerdings nur dann entstehen, wenn auf beiden Kanälen sehr unterschiedliche Signale mit für das Übersprechen ungünstigem Frequenzverlauf bearbeitet werden. Das Diagramm 4 zeigt die Arbeitsweise des sehr variabel einsetzbaren Niveaufilters bei Einstellwerten unterhalb der 12-Uhr-Position; oberhalb davon ergibt sich natürlich die sinngemäß gleiche Charakteristik mit umgekehrten Vorzeichen. Die Diagramme 5 bis 7 befassen sich mit den dynamischen Eigenschaften des Kompressors: Diagramm 5 zeigt die Wirkungsweise des Ratio-Parameters im Feedback-Modus, wobei die Kennlinien eines typischen Softknee-Kompressors mit variablem Kompressionsverhältnis abhängig vom Eingangspegel zutage treten.
Diagramm 6 zeigt die entsprechenden Kennlinien im Feedback-Modus des Kompressors - hier geht es deutlich heftiger zur Sache, wie man leicht ablesen kann. Bei höheren Ratio-Einstellungen erzeugt der alpha in dieser Betriebsart drastische Regelvorgänge bis hin zur Überkompression. Diagramm 7 dokumentiert den Charakter des zuschaltbaren Softclip-Limiters bei verschiedenen Einstellungen für die Ansprechschwelle. Wie das FFT-Spektrum in Diagramm 8 zeigt, produziert der alpha bei höheren Pegeln durchaus nennenswerte Oberwellen – und das, wie der Hersteller versichert, mit voller Absicht…
Praxis und Hören
Die – übrigens hervorragend geschriebene und illustrierte – Bedienungsanleitung beginnt in der Grundlagensektion mit den Worten ‚keine Angst’, wohl in der Absicht, dem Anwender mögliche Hemmungen angesichts der sich bietenden Funktionsvielfalt zu nehmen. Leute – wer für einen Kompressor knapp 8.000 Euro (7.990) ausgibt, darf getrost in die Kategorie ‚furchtlos’ eingeordnet werden. Also keine Angst, liebe elysianer, Euer Baby wird sicher niemals vorsätzlich in ungeübte Hände gelangen. Als ausgewiesener Freund hochwertiger analoger Technik habe ich natürlich inzwischen einige alpha-Stunden auf der Uhr, und dennoch achte ich immer sehr auf den Eindruck der ersten Minuten: Wie fühlt sich das Gerät an? Wie schnell erfasse ich das Bedienkonzept? Wie schnell höre ich ein Ergebnis? Wie ist der erste Klangeindruck? Der alpha compressor konnte mich in dieser Hinsicht sofort überzeugen: Eine sehr souveräne Angelegenheit.
Die rastenden Regler ermöglichen einen schnellen Kanalabgleich, die Gain Reduction Anzeige harmoniert sehr gut mit dem gehörten Ergebnis, der Kompressor macht keine unerwarteten Zicken. Kurzum, ich fühle mich sofort sicher. So soll es sein. Der Hersteller hat ein besonderes Augenmerk auf einen absolut symmetrischen Kanalaufbau mit geringen Bauteiltoleranzen geachtet, eine gute Entscheidung, denn der alpha klingt auf Anhieb sehr offen und ‚richtig’. Die Regelvorgänge sind ausgesprochen ‚elegant’ und ‚geschmeidig’, so dass im Feedback-Modus selbst bei stärkeren Eingriffen die ursprüngliche Dynamik nicht unsinnig verbogen wird. Es ist ganz klar, dass man einen Kompressor mit M/S-Matrix sofort in dieser Betriebsart hören möchte. Wir haben in unserem Studio bereits viel Erfahrung mit dieser Art der Signalbearbeitung sammeln können, dank des M/S-Kompressors in unserem System 6000 von TC und möchten auf diese Funktion in keinem Fall mehr verzichten, weder in der Produktion, noch im Mastering.
Für jemanden, der diese Eingriffsmöglichkeiten zum ersten Mal erlebt, ist es eine ganz neue Welt der Bearbeitung, die weit über die reine Dynamikbeeinflussung hinausgeht. Schon eine leichte Pegelerhöhung des S-Kanals geht mit einer Verbreiterung der Stereobasis einher, die man mit keinem anderen Gerät so ohne weiteres erzielen könnte. Die getrennte Bearbeitung des M- und S-Kanals erlaubt einen unabhängigen Zugriff auf die Mono-Information, ermöglicht also auf diese Weise auch eine stärkere Einbettung von Solisten, die erwartungsgemäß in der Stereomitte angeordnet sind, oder ein dichteres rhythmisches Gefüge durch stärkere Kompression, ohne dass die Stereo- oder die räumlichen Informationen in ihrer Dynamik angetastet würden. Verdichtet man den Seitenkanal stärker, tritt die Stereo-Information deutlicher nach vorne und bedingt damit gleichzeitig eine Profilierung von Räumlichkeit und Basisbreite.
Noch gezieltere Eingriffe sind unter Einsatz des Side-Chain-Filters denkbar, in dem man den Kompressor im M-Kanal empfindlicher für bestimmte Frequenzbereiche macht, etwa um nachträglich einen De-Esser auf die Gesangsstimme zu setzen, oder ausschließlich den Bereich der tiefen Frequenzen zu verdichten. Es ist eine ganz andere Art des Arbeitens, die einem Mastering-Ingenieur, aber natürlich auch jedem Produktionsstudio, eine neue Dimension der Programmbeeinflussung eröffnet. Die M/S-Betriebsart birgt jedoch auch für das integrierte Niveaufilter sehr interessante Möglichkeiten. Die einfache Balanceverschiebung um eine bestimmbare Mittenfrequenz im Seitenkanal kann dem gesamten Mix eine andere Klangfarbe verleihen, ohne dass die wichtigen Programminhalte des Mono-Kanals mit beeinträchtigt würden. Ein herkömmlicher Stereo-EQ hat hier keine Chance.
Ich darf Ihrer eigenen Fantasie Raum für weitere Ideen überlassen, denn allein die Funktionalität von M/S-Kompression und M/S-EQ wäre einen eigenen Beitrag wert. Einige Merkmale des alpha compressors haben wir gezielt eingesetzt, um deren Nutzen genauer unter die Lupe zu nehmen. Hierzu gehört beispielsweise der Parameter ‚Auto Fast’ für die Ansprech- und Rückstellzeit, der das Gerät auf besondere Art und Weise ‚intelligent’ macht. Die Reaktion des Kompressors auf schnelle Transienten funktioniert tatsächlich mit einem hohem Maß an Sicherheit, so dass das Spielen mit zwei aktiven Integrationszeiten, der automatischen und der manuell eingestellten, erstens zu sehr schnellen Ergebnissen führt, aber auch ein insgesamt ‚richtigeres’ Regelverhalten bewirkt. Da nach meinem Eindruck ‚Auto Fast’ je nach Arbeitspunkt- und Ratio-Einstellung unterschiedlich ‚heftig’ anspricht, muss man die Verrundungswirkung auf die Transienten sehr gut im Auge (Ohr) behalten.
Will man das Ansprechverhalten der Transienten möglichst wie im Original beibehalten, ist eine längere, rein manuell eingestellte Ansprechzeit oder aber ein Griff zum Überblendregler (Mix) manchmal die bessere Lösung. Der Alpha Compressor beherrscht eine Fülle von Spielarten der Dynamikbearbeitung und kann im Feed-Forward-Betrieb auch als Track- oder Bus-Kompressor
hervorragende Dienste leisten. Wenngleich der Mix-Regler auf der Frontplatte zunächst ein unscheinbares Dasein führt, ist er eine wichtige Funktion, die sonst nur mit großem Routing-Aufwand in einem Mischpult oder einer DAW-Umgebung realisiert werden kann. Die Überblendung zwischen Original- und komprimiertem Signal ist immer dann besonders effektvoll, wenn die Hüllkurvenstruktur des komprimierten Signals deutlich vom Original abweicht.
Fährt man beispielsweise ein Schlagzeug mit dem Kompressor gnadenlos an die Wand und mischt dieses Ergebnis dem Original mehr oder weniger stark zu, entsteht sehr spannender räumlicher Eindruck, der den Charakter des Aufnahmeraums oder auch der Trommeln als Resonanzkörper ganz neu definiert, ohne die ursprüngliche Gesamtdynamik zu beeinflussen. Diese Möglichkeiten sind den erfahrenen Kollegen unter uns als Parallel-Kompression bekannt, im alpha compressor in Sekunden mit einem Regler zur Hand. Vielleicht noch einige sehr pragmatische Kommentare zu diesem Gerät. Im Mastering-Studio sichert es durch seinen präzisen Abgleich der rastenden Regler eine hundertprozentige Wiederholung aller Einstellungen und auch die Sicherheit einer perfekten Kanalgleichheit.
Die beleuchteten Regler sind sicher eine Spielerei und wirken bei abgedunkeltem Umgebungslicht möglicherweise sogar kontraproduktiv, da sie die Frontplattenbeschriftung in einem ungünstigen Fall überstrahlen können und damit schwerer ablesbar machen, doch wer das Gerät etwas besser kennt, wird weniger sehen wollen als einfach nur hören. Dennoch kostet dieser optische Aufwand Geld, das vielleicht nicht jeder Anwender bereitwillig bezahlen möchte. Ob eine Geräteversion gleicher Funktionalität ohne aufwändigen Leuchtmitteleinsatz ein breiteres Publikum ansprechen könnte, möchte ich hier jedoch nicht zur Diskussion stellen, denn es wäre ungerecht, ein ‚Gesamtkunstwerk’ wie den alpha compressor in Frage zu stellen. Das Gerät ist ein absoluter Gewinner und hält alle Versprechen auf Seiten der technischen Umsetzung, der Verarbeitung, des Klanges, der Funktionalität, der Ergonomie und der Kreativität, die sein unglaublich attraktives Äußeres verspricht.
Fazit
Das Erstlingswerk des noch jungen Herstellers Elysia darf man getrost als Volltreffer bezeichnen. Der alpha compressor ist eine Ausnahmeentwicklung, die man in dieser Form kein zweites Mal auf dem Weltmarkt finden wird. Großen Anteil daran hat natürlich die integrierte M/S-Matrix, aber auch die Details des durchdachten Konzeptes und die aufwändige Technik befördern das Gerät mühelos in die absolute Spitzengruppe. Seine ungeheuere Vielseitigkeit offenbart sich nicht auf den ersten Blick, aber dieser Kompressor hat viele Gesichter: Die Eleganz eines veredelnden Masteringeinsatzes, das kräftige Zupacken eines Track- oder Bus-Kompressors, die Unauffälligkeit und Wirksamkeit einer Summenbearbeitung und die Raffiniertheit eines Effektkompressors für besondere Fälle.
Der alpha compressor ist sehr aufwändig und hochwertig verarbeitet. Es wurde an nichts gespart und auch das Design sucht seinesgleichen. Der Preis ist sicher nicht von Pappe, aber in jeder Hinsicht gerechtfertigt. Das fühlen Sie, wenn sie die Regler anfassen, das hören Sie, wenn Sie mit dem alpha arbeiten und das sehen Sie, wenn Sie Ihr Studio betreten – auf der ganzen Linie ein Genuss. Danke, liebe elysianer, so definiert man feinste Analogtechnik heute und wir freuen uns auf weitere Produktentwicklungen!